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    Charterflug in den Libanon für kriminellen Clan-Chef – aber Fluglinie ist die Polizei

    12 Jul    Panorama

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    Jul 12

    Charterflug in den Libanon für kriminellen Clan-Chef – aber Fluglinie ist die Polizei

    Die Schilderungen der Bremer Polizei klingen wie abgeschrieben aus dem Drehbuch eines besseren Action-Films. Schwerbewaffnete Spezialeinheiten drangen am 10. Juli 2019, mitten in der Nacht (der Polizeibericht dokumentiert nüchtern die Uhrzeit 03:40 Uhr morgens) mit einem Gerichtsbeschluss, der die sofortige Ausweisung in den Libanon anordnete, in die Wohnung von Ibrahim Miri in Bremen ein. Miri ist der Chef eines riesigen Familienclans, der als hochkriminell gilt, weil beinahe die Hälfte der bekannten Angehörigen der Sippe bereits mit dem Gesetz in Konflikt gerieten.


    Miri wurde mit einem Hubschrauber nach Berlin-Schönefeld gebracht, dort in einen angemieteten Lear-Jet gesetzt und umgehend in den Libanon geflogen, wo ihn die dortigen Behörden in Empfang nahmen. Damit nahm eine Posse des deutschen Rechtsstaates, die nicht nur Bürger erzürnte, sondern auch Polizisten und Staatsanwälte, nach 13 Jahren ein vorläufiges Ende. Denn Ibrahim Miri war seit 13 Jahren rechtskräftig zur Ausreise aus Deutschland verpflichtet, berief sich aber immer wieder erfolgreich auf seine angebliche Staatenlosigkeit, womit er dem Rechtsstaat auf der Nase herumtanzte. Genussvoll, wie es schien. Weil er und seine Anwälte die Nöte des deutschen Rechtsstaates kannten.

    Miri kam als Kind nach Berlin. Er ist so genannter Mhallami-Kurde. Die werden traditionell eigentlich in der südlichen Türkei verortet, siedelten sich aber irgendwann im Libanon an. Das Chaos des dortigen Bürgerkrieges in den 1970er Jahren vertrieb auch Angehörige des Miri-Clans nach Deutschland. Vor allem Berlin und Bremen wurden die Hochburgen dieser Großfamilie, deren Größenschätzungen zwischen 2.500 und 3.000 Angehörigen schwanken. Die einzige Konstante ist der hohe Anteil von Schwerstkriminellen in dieser Sippe. Gegen mehr als 1.200 Angehörige des Miri-Clans haben deutsche Strafverfolgungsbehörden schon ermittelt. Die Liste der Delikte ist lang. Die Rücksichtslosigkeit, Brutalität und Dreistigkeit dieses Clans ist berüchtigt.

    Immer wieder haben die Bremer Behörden versucht, Ibrahim Miri abzuschieben. Das scheiterte regelmäßig an den libanesischen Behörden, die anzweifelten, dass der Pate und seine Sippe Staatsbürger ihres Landes seien, und deshalb die Ausstellung von Identitätsdokumenten verweigerten.

    Besuch von Berlins Innensenator Geisel im Libanon zerschlägt Gordischen Knoten?

    Dann änderte ein Besuch offenbar vieles, wenn nicht sogar alles. Die Nachrichtenagenturen meldeten im Mai 2019, dass der Berliner Innensenator Andreas Geisel zu Gesprächen im Libanon eingetroffen sei. Wer die Probleme der deutschen Hauptstadt mit dort ansässigen kriminellen Großfamilien kennt, konnte zwei und zwei zusammenzählen, dass sich hier etwas anzubahnen begann. Und als Geisel im Juni am Rande einer Konferenz der Innenminister der Bundesländer ankündigte, dass es sein Ziel sei, einzelne Intensivstraftäter in den Libanon abzuschieben, hätten auch letzte Zweifel ausgeräumt sein müssen. Aber offenbar fühlte sich zumindest Ibrahim Miri trotzdem sehr sicher.

    Was den Sinneswandel in Beirut auslöste, ist nicht bekannt. Aber offenbar muss Andreas Geisel sehr überzeugend gewesen sein. Denn wie aus Kreisen von Polizei und Sicherheitsbehörden verlautete, scheint Ibrahim Miri nicht einfach nur das bislang deutlichste Signal an die anderen Clans und ihre kriminellen Mitglieder gewesen zu sein, sondern die deutschen Strafverfolgungsbehörden scheinen entschlossener als früher, tatsächlich durchzugreifen und weitere Mafiosi auszuweisen, die sich offenbar schon für unantastbar hielten.

    Selbst auf die Gefahr hin, dass Ibrahim Miri durch Dreistigkeit oder clevere Anwälte früher oder später wieder in Deutschland auftaucht oder die mafiösen Strukturen der Clans einfach neu geordnet und hierarchisiert werden: Die Zeiten, in denen kriminelle Familiensippen in Deutschland ohne Konsequenzen den Rechtsstaat herausfordern konnten, scheinen wohl erst einmal vorbei zu sein.

    Übernommen von Sputnik News

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