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    „Das Finanzkapital beherrscht uns“ – Klare Worte auf der Buchmesse

    25 Mrz    Gesellschaft

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    Mrz 25

    „Das Finanzkapital beherrscht uns“ – Klare Worte auf der Buchmesse

    Klare Begriffe müssen wieder verwendet werden, wenn es um die gesellschaftlichen Zustände geht und darum, sie zu beschreiben. Das forderte der Schriftsteller Ingo Schulze am Sonntag auf der Buchmesse Leipzig. Dort stellte er gemeinsam mit Holk Freytag, Präsident der Akademie der Künste Sachsen, und Justus H. Ulbricht vom Sandstein-Verlag das in diesem erschienene Buch „Gespaltenes Land – Brauchen wir einen neuen Gesellschaftsvertrag?“ vor.


    • Der Schriftsteller Ingo Schulze (l.) und Akademie-Präsident Holk Freytag
      Der Schriftsteller Ingo Schulze (l.) und Akademie-Präsident Holk Freytag
      © Sputnik / Tilo Gräser
    • Der ostdeutsche Schriftsteller Ingo Schulze auf der Buchmesse
      Der ostdeutsche Schriftsteller Ingo Schulze auf der Buchmesse
      © Sputnik / Tilo Gräser
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    Der Schriftsteller Ingo Schulze (l.) und Akademie-Präsident Holk Freytag

    „Dazu gehört auch, zu sagen, was Kapitalismus ist“, forderte Schulze. „Wir müssen uns ja eigentlich nicht wundern über das, was nach 1989 passiert ist.“ Aber die dafür passenden Begriffe wie „Klassenkampf“ und „Profitstreben“ seien gezielt aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt worden. Der Schriftsteller machte wie Akademie-Präsident Freytag auf die sozialen und gesellschaftlichen Probleme in der Bundesrepublik seit 1990 aufmerksam.

    So schlug Schulze vor, auch wieder über das Recht auf Wohnen und das Recht auf Arbeit zu diskutieren. „Deutschland gehört zu den reichsten Ländern der Erde“, hob Akademie-Präsident Freytag hervor. Das Problem ist aber aus seiner Sicht: „Man merkt das nicht.“

    Bedrohliche Entwicklung

    Er fragte „Wo ist Deutschland reich?“ und erinnerte an die marode Infrastruktur, in die nicht investiert werde, fehlende Gelder für Schulen und Bildung, aber ebenso daran, dass jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut aufwächst. „Wer ist in diesem Land reich?“, so Freytag.

    Der Akademie-Präsident befand, dass die Politik sich nicht mehr mit den gesellschaftlichen Problemen beschäftige und nur noch von Wahl zu Wahl handle. Dabei sei der Zustand der bundesdeutschen Gesellschaft und des Landes „so ernst, dass ich mir von allen öffentlichen Einrichtungen und Institutionen ein Eingreifen in diese unser Land bedrohende Entwicklung wünsche“.

    Doch die Gesellschaft der Bundesrepublik werde vom Finanzkapital regiert. Auf diese Erkenntnis aus der Finanzkrise 2007/08 machte am Sonntag ebenfalls auf der Leipziger Buchmesse der Wirtschaftsjournalist Lucas Zeise aufmerksam. Das sei durch die Vorgänge vor rund zehn Jahren auch der breiten Öffentlichkeit klar geworden. Der Journalist gehört zu jenen, die versuchen, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen mit klaren und bewährten Begriffen zu beschreiben.

    Klare Thesen

    Er stellte am Sonntag in Leipzig sein im PapyRossa-Verlag erschienenes Buch „Finanzkapital“ vor, in dem er die Rolle des Geldkapitals, der Banken, Versicherungen, Hedgefonds und Schattenbanken beschreibt. Sein Ausgangspunkt sei die Finanzkrise 2007/08, so der ehemalige Redakteur der deutschen Ausgabe der Zeitung „Financial Times“. Selbst den Experten wie ihm, aber auch den Bankern, die die Krise vorausgesehen hatten, sei das Ausmaß vorher nicht klar gewesen, berichtete Zeise über „das einschneidende Erlebnis für den Kapitalismus“. Die These seines Buches sei: „Das Finanzkapital – das sind unsere Herrscher.“

    Ähnliches sagte der Journalist Ullrich Mies am Samstag, der das im Wiener Promedia-Verlag herausgegebene Buch „Der Tiefe Staat schlägt zu“ präsentierte. Er beschreibt die offenen und verborgenen Herrschaftsstrukturen der westlichen Gesellschaften und deren Methoden. Laut Mies gehören zu diesem „Herrschaftsfilz“  das internationale Finanzkapital, die Rüstungskonzerne, die Außen- und Kriegsministerien, die neoliberalen Thinktanks ebenso wie vermeintliche Nichtregierungsorganisationen, die Mainstream-Medien – „in aller Regel Konzernmedien“ –, gekaufte Wissenschaftler, die Nato ebenso wie die Geheimdienste und die Sicherheits- und Überwachungsindustrie. Diese westlichen Machtstrukturen hätten den neuen Kalten Krieg vom Zaun gebrochen, der gegen Russland und China gerichtet sei und nur den Rüstungskonzernen diene.

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    Der Herausgeber Ullrich Mies (l.) und Stefan Kraft vom Wiener Promedia-Verlag

    Unter den 15 Beiträgen in dem von Mies herausgegebenen Buch gehört einer vom Verfasser dieses Berichtes, in dem es um die Münchner Sicherheitskonferenz 2018 als „Bühne für westliche Konflikt- und Kriegstreiber“ geht. Das Buch bietet Analysen der gegenwärtigen Herrschaftsverhältnisse, zeigt aber keine Alternativen auf.

    Fehlende Alternativen

    Die konnte auch Finanzexperte Zeise nicht bieten, als er am Sonntag danach gefragt wurde. Aus seiner Sicht seien Lösungen der Probleme innerhalb des kapitalistischen Systems möglich: „Es gibt sie, aber da keine politische Kraft dahinter ist, ist es nur eine theoretische Überlegung.“ Parteien wie die SPD, die das früher hätten durchsetzen können, seien inzwischen „voll auf einer anderen Linie, die sind ja vollkommen vom Finanzkapital integriert“.

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    Der Wirtschaftsjournalist Lucas Zeise stellte sein Buch über das Finanzkapital vor

    Zeise meinte auf eine entsprechende Frage, dass  aktuell alle Faktoren für eine Finanz- und Wirtschaftskrise wie 2007/08 vorhanden seien. Aber dieses Mal würden die Regierungen „Gewehr bei Fuß“ stehen, um ein ähnliches Ausmaß zu verhindern. Dazu gehören aus seiner Sicht die aktuellen Pläne von Bundesfinanzminister Olaf Scholz von der SPD, die Deutsche Bank mit der Commerzbank fusionieren zu lassen.

    Neuübersetzter Klassiker

    Der Wirtschaftsjournalist bezeichnete sich als Kommunist und schreibt inzwischen für die Tageszeitung „junge Welt“. Er erinnerte daran, dass schon Lenin den Imperialismus als „höchstes Stadium des Kapitalismus“ treffend analysiert habe, gestützt auf die Erkenntnisse des deutschen Sozialdemokraten Rudolf Hilferding. Die damalige Analyse habe bereits den „Kern der Angelegenheit“ beschrieben: Die Zustände damals seien so offensichtlich gewesen – und seien es heute genauso wieder.

    Lenins Buch über den Imperialismus hatten die beiden Historiker Wladislaw Hedeler und Volker Külow in einer kritischen Neuausgabe 2018 im Verlag „8. Mai“ veröffentlicht, in dem auch die „junge Welt“ erscheint. An deren Messestand stellte Külow am Sonntag die nächste Neuausgabe vor: Lenins Arbeit über „Staat und Revolution“ von 1917. Es gehe darum, die Arbeiten des russischen Revolutionärs von den einseitigen Deutungen aus der sowjetischen Zeit zu befreien und in ihren Ursprungsformen und Entwicklungen zugänglich zu machen, so der Historiker.

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    Der Historiker Volker Külow mit einem der neu herausgegebenen Lenin-Klassiker

    Übernommen von Sputnik News

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