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Kommentar: Wir urlauben uns arm

    10 Aug

    Kommentar: Wir urlauben uns arm

    Was für ein Albtraum: Das Terminal proppenvoll, schwitzende Leiber dampfen auf Plastikbänken, lange Schlangen am Schalter, schreiende Kinder, und am Abend fahren alle nach Hause, weil dann doch kein Flugzeug mehr abgehoben hat. Es ist mal wieder Streik, auf den Anzeigetafeln immer das gleiche Wort: annulliert.


    Sparen beim Personal

    Flugbegleiter, Bodenpersonl – einer streikt immer, vor allem bei den Billig-Airlines. Diesmal sind es die Piloten von Ryanair, dem König der Billigheimer. Unternehmenschef Michael O’Leary nennt sie verächtlich “Busfahrer” und möchte sie am liebsten auch so bezahlen.

    Überhaupt ist O’Leary kein angenehmer Typ. Aber ist er schuld an dem ganzen Chaos? Ich glaube nicht. Mit seinem Unternehmen bedient er eine Nische, die der Markt geschaffen hat und in der es immer noch ein paar Euro zu holen gibt.

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    Lars Halter, DW-Wirtschaftsredaktion

    Millionen von Urlaubern wollen die Schnäppchenpreise. Für 15 Euro geht’s nach Venedig, für 20 Euro nach Thessaloniki. Der Flug nach Fuerteventura soll nicht mehr kosten als ein Cocktail am Strand. Nach Marrakesch checken Urlauber ein, deren Badehosen teurer waren als die Reise nach Nordafrika.

    Klar, dass Unternehmen bei solchen Ticketpreisen sparen müssen. Nicht nur am Gehalt ihrer Mitarbeiter. Ryanair-Piloten fliegen viele Strecken und haben die kürzesten Pausen, die die Flugaufsicht erlaubt. Sie finanzieren ihre eigene Ausbildung und fliegen auch wenn sie krank sind, weil das Unternehmen keine Krankentage zahlt. Flugbegleiter müssen für ihre Uniform zahlen und zur Arbeit ihr eigenes Essen mitbringen.

    Schluss mit dem Billig-Wahnsinn

    Der Wahnsinn mit den Billigflügen muss ein Ende haben. Früher waren Flugreisen den Besserverdienenden vorbehalten. Soweit muss es nicht wieder kommen. Schließlich hat jeder ein Recht auf Urlaub – auch wenn sich die Frage stellt, ob es denn unbedingt die Malediven sein müssen. Aber Flugpreise, die so niedrig sind, dass sie die Kosten nicht decken, darf es nicht geben. Solche Preise gehen auf Kosten der Löhne und setzen eine ungute Spirale in Gang. Niedrigere Löhne verstärken die Nachfrage nach billigen Waren und Dienstleistungen. Das nutzt wiederum Unternehmen, die noch weniger zahlen. Am Ende gibt es nur Verlierer mit Mindestlohn.

    Außerdem würden teurere Tickets die Nachfrage nach Urlaubsflügen senken. Klarer Fall: Wer sich die höheren Preise nicht leisten kann, der fliegt weniger. Das ist gut für die von Billigurlaubern total überrannten Ferienziele – und fürs Klima.

    Wir setzen auf Lastenfahrräder statt Lieferwagen und fliegen dann doch viermal im Jahr durch halb Europa, um uns zwischen Tausenden eingeölten Leibern an einem Strand grillen zu lassen, der dank unzähliger Discounter-Windschirme sowieso nicht anders aussieht, als jeder andere Strand an Nord- und Ostsee. Das ist unnötig und verantwortungslos.

    Übernommen von DW – Deutsche Welle (BRD-Auslandsinformationssender)

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